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Sicherheitshandschuhe EN 388: Das Piktogramm entschlüsselt — alle 6 Kennwerte erklärt

Auf jedem Sicherheitshandschuh klebt ein Piktogramm mit Zahlen und Buchstaben — aber was bedeuten sie? EN 388 ist die europäische Norm für Handschuhe gegen mechanische Risiken. Sie definiert sechs Prüfkriterien, die dir auf einen Blick zeigen, wie gut ein Handschuh gegen Abrieb, Schnitte, Weiterreißen, Durchstechen, Schnitte durch rotierende Klingen und Stoßenergie schützt. Dieser Guide erklärt jedes Kriterium — und hilft dir beim Kauf die richtigen Werte für deinen Einsatz auszuwählen.

Was ist EN 388?

EN 388 ist die europäische Norm für Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken. Sie gilt für alle Handschuhe, die vor physikalischen Schäden durch Reibung, Schneiden, Reißen und Durchstechen schützen sollen. Die aktuelle Fassung ist EN 388:2016+A1:2018.

Ein Handschuh nach EN 388 trägt das Handschuh-Piktogramm mit einer vierstelligen (alter Standard) oder sechsstelligen (aktueller Standard) Kennzeichnung. Jede Position steht für eine eigene Prüfung mit einem Leistungswert.

Die 6 Kennwerte im Detail

Position Prüfwert Skala Was wird geprüft
A Abriebbeständigkeit 1–4 Zyklen bis zur Durchscheuerung. 4 = höchste Klasse.
B Schnittbeständigkeit (Coupe) 1–5 Widerstand gegen rotierendes Messer. Bei Stufe 5: automatisch TDM-Test.
C Weiterreißbeständigkeit 1–4 Kraft um einen eingerissenen Handschuh weiter zu reißen.
D Durchstichbeständigkeit 1–4 Kraft gegen einen genormten Nagel (statisch). Kein Nadelschutz.
E TDM-Schnitttest A–F Linearer Schnitttest mit definierter Kraft (2N). F = höchste Klasse.
F Stoßschutz P / – „P" = Handschuh hat geprüften Stoßschutz am Knöchel.

Beispiel lesen: Ein Handschuh mit der Kennzeichnung 4X42BP hat Abrieb-Klasse 4, kein Coupe-Ergebnis (X = nicht ausgewiesen weil TDM Priorität hat), Weiterreißklasse 4, Durchstich 2, TDM-Schnittklasse B, und Stoßschutz P.

Welche Norm für welche Arbeit?

EN 388 ist nicht die einzige Handschuh-Norm. Je nach Einsatzbereich gelten andere Standards — oft in Kombination:

  • EN 388 — Mechanische Risiken: Abrieb, Schnitt, Riss, Durchstich (Handwerk, Bau, Montage, Lager)
  • EN 374 — Chemikalien und Mikroorganismen (Chemie, Labor, Reinigung)
  • EN 407 — Thermische Risiken: Hitze, Flamme (Schweißen, Gießerei)
  • EN 511 — Kälte: Konvektionskälte, Kontaktkälte (Kühlhaus, Tiefkühl-Lager, Winterarbeiten)
  • EN 60903 — Elektrische Risiken (Elektriker, Schaltanlagenbau)

Material — was steckt im Handschuh?

Das Material bestimmt, wie gut ein Handschuh die Prüfwerte der EN 388 erfüllt:

  • Leder: Hohe Abriebbeständigkeit, gutes Griffgefühl, atmungsaktiv — für Bau, Handwerk, Montage.
  • Nitril / Latex: Chemikalienbeständig, öl- und fettabweisend — für Werkstatt, Reinigung, Labor.
  • HPPE / Dyneema: Höchste Schnittschutzwerte (TDM E–F), sehr leicht — für Glasindustrie, Blechverarbeitung.
  • Polyester / Nylon: Leicht, dünn, gutes Tastgefühl — für Elektronik, Feinmechanik, Kommissionierung. Oft mit Nitril-Beschichtung kombiniert.

CE-Kategorien — wie hoch ist das Risiko?

Alle Schutzhandschuhe werden nach Risikostufe in drei CE-Kategorien eingeteilt:

  • Kategorie I: Minimale Risiken (z. B. Gartenarbeit, leichte Reinigung). Keine externe Prüfung erforderlich.
  • Kategorie II: Mittlere Risiken (z. B. allgemeine Montage, Lager). Typisch für die meisten EN-388-Handschuhe. Externe Prüfstelle erforderlich.
  • Kategorie III: Irreversible oder tödliche Risiken (z. B. Chemikalien, Elektriker). Erkennbar an „III" oder vierstelliger Prüfstellen-Nummer neben dem CE-Zeichen (z. B. CE 0075).

Handschuhgröße richtig bestimmen

Handschuhe werden in Größen XS bis XXL oder als Handumfang in cm angegeben. Handumfang messen: Maßband um die breiteste Stelle der Hand legen (ohne Daumen). Unter 17 cm = XS · 17–19 cm = S · 19–21 cm = M · 21–23 cm = L · 23–25 cm = XL · über 25 cm = XXL. Ein zu enger Handschuh schränkt die Fingerbeweglichkeit ein und erhöht die Unfallgefahr — zu weite Handschuhe rutschen ab.

Häufige Fragen zu Sicherheitshandschuhen

Was bedeutet das „X" im EN-388-Code?

Ein „X" an einer Stelle bedeutet, dass dieser Prüfwert nicht ermittelt wurde oder kein verwertbares Ergebnis ergab. Das ist kein Fehler — bei manchen Materialien wird der Coupe-Test B durch den TDM-Test E ersetzt, und B bekommt dann ein X. Das Ergebnis ist dennoch vollständig und normkonform.

Schützt EN 388 auch gegen Nadeln oder Injektionsspritzen?

Nein. Der Durchstich-Kennwert D in EN 388 prüft statischen Widerstand gegen einen genormten Nagel — keine dynamischen Stiche und keine feinen Nadeln. Für Schutz gegen Injektionsnadeln (z. B. im Gesundheitswesen) gibt es spezielle Handschuhe nach EN ISO 23388 — das ist ein anderer Standard.

Wie oft müssen Sicherheitshandschuhe gewechselt werden?

Das hängt von der Nutzungsintensität ab. Bei täglichem Einsatz in anspruchsvollen Umgebungen empfehlen sich Ersatzintervalle von 1–3 Monaten. Ausschlaggebend ist der Zustand: Risse, ausgedünnte Stellen, beschädigte Nähte oder eingelagerte Chemikalien sind Austauschindikatoren. Ein beschädigter Handschuh schützt nicht mehr ausreichend — auch wenn er äußerlich noch ganz aussieht.

NORMEN & EIGENSCHAFTEN

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